Warum ein „Nein“ zu Anderen ein “JA“ zu dir ist…

Hinweis: dieser Text ist aus weiblicher Sicht geschrieben, gilt aber natürlich auch für Männer.

Was sind die Beweggründe nicht „Nein“ sagen zu können? Wodurch gelangst du immer wieder in Situationen in denen du 100%  nicht sein willst? Studien zeigen, dass die Hauptursache darin liegt, einem übertriebenen Bedürfnis nach Harmonie zu folgen.

Wenn du darüber nachdenkst wirst du feststellen, dass dies kein Märchen ist sondern die nackte Wahrheit. Du kennst das sicher auch aus deinem Leben. Hier ein paar Beispiele: Die Kinder wollen etwas, parallel ruft dein Mann an und im Büro „braucht“ man dich auch. Alle reißen und zerren an dir weil sie es schlichtweg gewohnt sind, dass du so und so nicht „Nein“ sagen kannst. Die ganze Maläse ende dann damit, dass du völlig übermüdet und mit deinen Kräften am Ende, am Abend ins Bett sinkst und nichts mehr hören oder sehen willst – oder besser ausgedrückt – nicht kannst.

Die Ursachen für übertriebene Harmoniebedürftigkeit sind vielfältig. Diese möchte ich dir hier vorstellen. Lies sie in Ruhe durch – dort wo es für dich stimmig ist wirst du es sofort wissen. Dein Herz wird einen kleinen Tick schneller klopfen und dein Kopf wird dir sagen: ach ja – das ist es also…

Die Angst davor abgelehnt zu werden als der Mensch der du tatsächlich bist

Wir alle kennen das, wir wollen gemocht werden. Egal ob im Freundes- und Bekanntenkreis, im Job oder in der Familie. Wenn wir mit anderen nicht einhergehen, einer Meinung sind oder sogar „Nein“ sagen bleibt ein schaler Geschmack zurück. Oft haben wir als Kind schon die Erfahrung gemacht, nur dann liebevoll anerkannt zu werden, wenn wir brav waren, oder schlimmer noch, wenn wir uns als nützlich erwiesen haben.  Heute im Erwachsenleben können wir diesen Zusammenhang zwar erkennen, sind dem allerdings, aufgrund von unbewussten Kindheitsprägungen, meistens machtlos ausgeliefert.  Doch du kannst etwas dagegen unternehmen. Indem du beginnst dein Leben aufmerksamer unter die Lupe zu nehmen. Schau dir die Leute, von denen du unbedingt gemocht werden möchtest und versuche herauszufinden wem sie mehr ähneln – deinem Vater oder deiner Mutter?

Werde dir bewusst, dass du es so und so nicht allen Recht machen kannst. Von allen gemocht zu werden ist ein Ding der Unmöglichkeit und nicht erstrebenswert. Wo bleibe den dann die Individualität die jeder von uns besitzt? Wähle die Menschen die dir wichtig sind mit Bedacht aus. Höre bei der Wahl deiner Freunde auf dein Herz – es wird dir immer die Wahrheit sagen!

Angst vor Konsequenzen

Nun das ist eine Angst die nicht ganz unbegründet ist. Die Reaktion anderer auf ein „Nein“ wird nicht immer herzerfrischend und verständnisvoll aufgenommen. Es kann daher durchaus zu Konflikten kommen. Nur warum ist die Angst vor Konflikten so groß? Hier sind wir ganz stark bei dem überlagerten Bedürfnis nach Harmonie. Noch dazu machen es uns die anderen ja auch nicht unbedingt einfach „Nein“ zu sagen. Dein Boss will etwas sofort, die Kinder geben dir das Gefühl sie zu vernachlässigen und plädieren somit heftig an dein schlechtes Gewissen. Nur um ein paar wenige Beispiele zu erwähnen. Dir fallen beim lesen dieses Textes noch andere Situation ein.

Jeder bzw. jede Situation arbeitet mit ihren eigenen Strategien. Wie zum Beispiel:

  • Schuldgefühle auslösen
  • (emotionale) Erpressung
  • Druck
  • Schmeicheleien
  • Mitleidstour
  • Angst vor Verlust (Job, Partner, …..)
  • … überlege dir hier selbst warum du nicht „Nein“ sagen kannst.

Nur wie kommst du aus dieser Situation raus. Oder wie erkennst du in welcher Situation du dich gerade befindest. Auch hier wieder, oberstes Gebot – Höre auf dein Herz!

TIPP: Fühle wieder in dich hinein und versuche klar und ruhig zu bleiben. Wenn du dir unsicher bist frage einfach eine Person die dir nahesteht und dir wohlgesonnen ist um ihre Meinung. Das bringt dir Klarheit und hilft dir andere leichter zu durchschauen.

Hin und wieder ist es tatsächlich vernünftiger „JA“ zu sagen. Es kommt natürlich auf die Situation darauf an. Wenn du genau auf dich hörst wirst du feststellen, dass diese viel seltener sind als es sich tatsächlich anfühlt.

Du willst nicht egoistisch oder herzlos wirken

Du kennst das sicher – es laufen Menschen herum, wo du das Gefühl hast, sie denken nur an sich und sind an den anderen in keinster Weise interessiert. du empfindest diese Menschen als schrecklich und wenn du über das Thema – Abgrenzen bzw. Nein sagen nachdenkst, ist es das erste das dir einfällt. So möchtest du nicht werden? Stimmts?

Keine Sorge – nur weil du liebevoll JA zu dir sagst heißt das noch lange nicht, dass du plötzlich zum herzlosen Egoisten geworden bist. Die Menschen die dir das Vorwerfen drücken nur wieder einen deiner Knöpfe. Dieser Knopf hat mit dem Thema der Wertschätzung zu tun.

Der Vorwurf des Egoismus ist ein genialer Manipulationsversuch um dich doch so weit zu bringen „JA“  zu sagen. Egal ob du es möchtest oder nicht. Nimm diesen Manipulationsversuch nicht so einfach hin. Du weißt am Besten was du für andere tust und ob du tatsächlich egoistisch bzw. herzlos bist.

TIPP: Nimm dir Zeit bevor du JA sagst. Fühle in dich hinein ob das jetzt für dich passend ist oder nicht. Übe dich darin klar zu kommunizieren warum du das jetzt nicht machen kannst. Erkläre dich bestimmt aber mit Liebe. Übe dich in gewaltfreier Kommunikation (Lese Tipp – siehe Bibliografie).


Das Bedürfnis gebraucht zu werden

Gebraucht zu werden ist ein Bedürfnis welches nur schwer auf den ersten Blick zu erkennen ist. Vielen Menschen tut es einfach gut für andere da zu sein. Ihre Probleme Tag ein Tag aus gemeinsam zu betrauern, helfen zu können. Das ist gut und schön nur verliere dabei nicht deine Balance. Wenn sich dein Leben nur darum dreht andere zu unterstützen und du für dich nicht einmal einen Termin beim Arzt vereinbaren kannst – dann bist du gewaltig aus der Balance geraten. Du hilfst damit auch anderen nicht. Anderen Menschen immer zur Verfügung zu stehen und selbst dafür nichts zu erhalten, erzeugt ein energetisches Ungleichgewicht. Das Leben sollte aus Geben und Nehmen bestehen. Wenn du dich am Abend ausgelaugt, ausgebrannt und erschlagen fühlst ist die Balance eindeutig nicht gegeben.

TIPP: Wenn du am Abend völlig übermüdet nach Hause kommst leg einfach alles zur Seite und gönne dir 10 Minuten für dich. Rekapituliere den Tag und schau dir deine Energiefresser ganz genau an und mach dir Notizen. Entwickle eine Strategie, wie du dich selbst besser achtest. 

Angst etwas zu versäumen

Ein wesentlicher Aspekt unseres Daseins dreht sich darum, nichts verpassen zu wollen. Viele sagen: ich habe nur das eine Leben, ich will nichts versäumen, ich muss dort unbedingt hin weil das könnte unheimlich wichtig für mich sein, usw.  Diese Angst entspringt dem Gefühl des Mangels. Angst nicht gut genug zu sein, nicht mehr überall mitreden zu können oder auch nicht mehr im Gespräch zu sein. Aus Angst, etwas zu versäumen hetzen wir durch das Leben und versäumen durch unsere Eile gerade erst recht das Wesentliche, den Genuss und das Genießen. Wir sind wieder einen Schritt weiter von uns weg und leben nicht aus der Kraft unseres Herzens.

TIPP:Hier hilft nur eines: Lerne, Prioritäten zu setzen. Hinterfrage dich ob es wirklich notwendig ist überall dabei zu sein. Alles zu tun um „im Geschehen“ zu sein. Finde heraus was dir wirklich Spaß macht und nur dort wo dein Herz JA laut sagt dort gehe auch hin.  

Der Preis ist hoch!

Mach dir klar welchen Preis du dafür bezahlst wenn du zu oft JA sagst. Rechne einmal zusammen wie oft du Ja sagst obwohl du „Nein“ meinst. Denke darüber nach und notiere dir jede einzelne Situation mit dem Hinweis darauf wie viel extra Zeit du dafür investiert hast und was dabei auf der Strecke geblieben ist. Das kann ein echter Augenöffner sein!

Hier noch einige Beispiele mit welchen Auswirkungen du dich herumschlagen darfst wenn du zu vorschnell JA gesagt hast.

  • Energielosigkeit
  • Keine Zeit für Aktivitäten die dir wirklich Spaß machen würden
  • Stress – schließlich sind es meistens zusätzliche Aufgaben die zu erledigen sind.
  • Ärger, darüber dass du wieder nachgegeben hast.
  • Das Gefühl ausgenutzt zu werden
  • …..

Natürlich können wir unser Leben nicht immer nur danach ausrichten das alles ausgeglichen ist. Es kann nicht nach kaufmännischen Regeln bewertet werden. Letztendlich ist es wichtig dass es im Großen und Ganzen ausgeglichen ist. Alles was nicht in Balance ist führt zu einem Ungleichgewicht. Nicht nur in den alltäglichen Beziehungen die du mit deiner Umwelt führst sondern auch in deinem Körper. Jede Disharmonie bzw.  Stress, in deiner Psyche, führt am Ende dazu, dass du krank wirst. Umso wichtiger ist es genau auf dein Herz zu hören. Es sagt dir genau was für dich richtig und was für dich falsch ist. Es lehrt dich in Liebe Ja zu dir zu sagen. Erlaube Dir, zu Anderen, sanft „Nein“ zu sagen.  Zum Abschluss noch ein paar Tipps für das sanfte „Nein“ sagen:

  • Begründe dein „Nein“. Du musst dich nicht rechtfertigen, dass ist es nicht was ich hier meine. Meistens hilft es den Anderen zu Verstehen warum du jetzt keine Zeit hast oder warum du generell „Nein“ dazu sagst.
  • Zeige Verständnis für den Anderen. Indem du dich verständnisvoll zeigst, wirkt dein „Nein“ schon sanfter. Beispiel: ich verstehe, dass du viel zu tun hast und es tut mir auch sehr leid. Im Moment habe ich selbst sehr viel zu tun und kann dir daher nicht behilflich sein.
  • Bedanke dich, dass der Andere dir zeigt, dass er dir diese Aufgabe zutraut bzw. das Vertrauen in dich hat. Beispiel: Vielen Dank, es ehrt mich sehr, dass du bei dieser Aufgabe an mich denkst. Leider bin ich selbst sehr beschäftigt und kann dein Angebot daher nicht annehmen.
  • Teil-Nein – Hin und wieder kann es sein, dass ein „Nein“ gar nicht zwingend notwendig ist. Du sogar gerne die Aufgabe übernehmen möchtest. Dann schlage einfach eine Alternative vor. Beispiel: Es tut mir leid, im Moment geht es leider gar nicht, morgen könnte ich diese Aufgabe ohne weiteres übernehmen.
  • Oder mache dem Anderen ein Gegenangebot, wie er seine Aufgabe vielleicht lösen könnte. Damit zeigst du Interesse, machst allerdings auch klar, dass du im Moment nicht zur Verfügung stehst.

Und zum Schluss noch ein Denkanstoß

Denke doch mal darüber nach wie du selbst damit umgehst wenn jemand „Nein“ zu dir sagt.

  • Was macht das mit dir?
  • Wie reagierst du?
  • Kannst du ein „Nein“ akzeptieren oder neigst du selbst dazu, den anderen umstimmen zu wollen?
  • Wie fühlst du dich dabei? Findest du es in Ordnung wenn andere deiner Bitte nicht nachkommen? Oder fühlst du dich dann beleidigt oder verletzt? Oder wirst du gar wütend.

Nimm dir ein paar Minuten Zeit und denke intensive darüber nach und ganz wichtig, mache dir wieder Notizen dazu. Aufschreiben hilft dir, in jeder Situation, Klarheit zu gewinnen.

TIPP: Entscheide dich hier und heute dass es dir von nun an nicht mehr wichtig ist von allen gemocht zu werden! Entscheide dich für dich! Sag aus voller Überzeugung JA zu dir!